PUBLIKATIONEN / AUSWAHL


Installation „verBUNDen“
in Fachzeitschrift Religion, Friedrich-Verlag.
Ausgabe 3. Quartal 2014 (D)
forum Kirche, Ausgabe März 2016 (CH)

Phönix – dreiteiliger Zyklus in Abbildungen
mit einem zehnseitigen Text von Arnold Stadler
Mit den Augen eines Schriftstellers
Format 37 x 28 cm, Leporello, Handbindung
Auflage 200 Ex., nummeriert und signiert, 2017


ARTMAPP Magazin, Frühjahr 2020
Artkel zu Installation Flowing Lights
Text Das Licht ist ein Maler von Sigmund Kopitzki

Frauen im Bundeshaus, SGBK Kunstprojekt

www.sgbk-kunst-im-bundeshaus.ch

www.bildimpuls.de

Buch von Arnold Stadler
Da steht ein grosses JA vor mir.
Zu einer Arbeit von Margaret Marquardt
Jung und Jung Verlag,

in zweiter, erweiterter Auflage 2016

DAS LICHT IST EIN MALER


Transformation, Veränderung und die Flüchtigkeit unseres Seins – um diese kardinalen Themen kreist, nach eigener Aussage, das Werk der Schweizer Malerin, Grafikerin und Installationskünstlerin Margaret Marquardt. Streng genommen muss diese Themenpalette um das Stichwort Transzendenz ergänzt werden. Denn Marquardt arbeitet auch mit Licht, mit Neonröhren.

Vor etlichen Jahren formte die Künstlerin für eine private Stiftung im ländlichen Straßendorf Bulzingen (Baden-Württemberg) ein filigranes Objekt, das sich auf zauberhafte Art in das von Gün-ther Hermann Architekten errichtete Gebäude einfügt. Im Fokus des Lichts der Wandinstallation stehen hier – im Unterschied etwa zu den Ur-Plastiken von Dan Flavin – Körper und Raum. Mit ausgesuchten Farben und einer kontrollierten Choreografie schuf Marquardt ein abstraktes Bild, das mit seinen Lichtlinien und Schatten auf die Architektur abstrahlt und zu einem Dialog anstiftet, besser: zu einem ästhetischen Diskurs. So geht Kunst am Bau!

Zu Margaret Marquardts Installation Flowing Lights in Rietheim-Weilheim

Nun hat sich Margaret Marquardt einmal mehr aus dem klassischen Rahmen – dem Tafelbild – hinausbegeben und ein lumineszentes Wunderwerk für ein international agierendes Unternehmen in Rietheim-Weilheim (bei Tuttlingen) geschaffen, das zu den führenden Herstellern von mechatronischen Schalt- und Bediensystemen gehört. Flowing Lights nennt die Künstlerin ihre drei in hohen, nebeneinander gestellten Glaskuben installierte Schöpfungen, die – nicht zufällig – vor dem neuen Entwicklungs- und Innovations-zentrum des Unternehmens im Zentrum der Gemein-de stehen. Hightech trifft hier auf technikunterstützte Ästhetik.

Marquardt hat ein wirkmächtiges Lichtballett montiert: mit Farben, die das endorphine System der Betrachter anregen (und bisweilen verwirren). Der Kreis oder das aus dem Kreis gebildete Segment und Geraden sind dabei die bestimmenden geometrischen Formen. Der Kreis besitzt viele Bedeutungen. Das weiß die Künstlerin, sie setzt ihn bewusst ein. Der Kreis ist Symbol für die Einheit, für das Absolute, Vollkommene, ja Göttliche. Ebenso steht er für den Himmel und das All-Eine. Als unendliche Linie ist er Symbol der Unendlichkeit und, in der Gestalt einer Schlange, die sich in den Schwanz beißt, Symbol der Wiederkehr. In der Magie gilt der Kreis als Zeichen des Schutzes gegen böse Geister. Im übertragenen Sinn wird dem Ring und dem kreisrunden Amulett eine schützende Funktion zugesprochen usw. Das Trotzdemschöne an Marquardts Flowing Lights: Es gibt zwar diese Sub(kon)texte, aber keine Pflicht, das Kunstwerk so zu verstehen. Lichtkunst wie diese kann und darf als Stimulation der Sinne gedacht und gelebt werden. Im Idealfall – und das ist hier der Fall – öffnet sie neue Wahrnehmungsräume. Wenn das nichts ist ... Die Aufgabe der Künstlerin war es, mittels einer Lichtskulptur in dem Neubau einen Akzent zu setzen. Auftrag erfüllt! Das Ausrufezeichen Flowing Lights, das sich je nach Blickpunkt des Betrachters verändert, nimmt die horizontalen und vertikalen Elemente der Fassade spielerisch auf. Ebenso die Reflexionen in den Fenstern, die durch die verspiegelte Innenseite in den Kuben verstärkt werden. Und: Das Triptychon steht auf einem schwarzen Granitsockel (Nero Assoluto), der seinerseits eine starke Spiegelfläche für die Leuchtröhren bildet.


Die intensivste Eigendynamik, einen Rausch der Farben, entwickelt Flowing Lights in der Dunkelheit. Der Raum wird leicht. Das Licht – ist ein Maler.


Siegmund Kopitzki


Erschienen im ARTMAPP Magazin, im Frühjahr 2020

WUNDE & HEILUNG


MARGARET MARQUARDT widmet sich in einem wesentlichen Teil ihrer künstlerischen Arbeit dem Prozess der Heilung von Wunden, von Verletzlichkeit. In zusammenhängenden Bildzyklen und durch die Einbeziehung von Gaze als Werkstoff ist der Weg zum konzeptuellen malerischen Objekt und zur Lichtinstallation vorgezeichnet. Ihre Themen Wunde, Heilung oder Phönix werden durch einen ganz persönliche Interpretation transformiert. Abstrahierte Wunden konterkarieren als Sinnbilder für physische oder psychische Verletzung und für Genesung oder stehen als Metapher für die Zerstörung der Umwelt und des Lebensraumes durch Menschen oder Naturkatastrophen. Helmut Hein schreibt zum Zyklus Wunde von Margaret Marquardt ... „Zeige deine Wunde“ heißt es bei Beuys. In dieser Aufforderung werden Bekenntnis und Versöhnung fast eins. Wo aber bei Beuys die existenzielle Recherche krude, ja abweisend blieb, ist es bei der Schweizer Künstlerin Margaret Marquardt die Selbsterforschung einer gefährdeten Identität von fast verstörender Zartheit. Das hängt mit den Materialien zusammen, mit denen sie arbeitet. Sie verlässt das Tafelbild, die Skulptur ist weit weg. Die Gazebinden wirken mit Leuchtröhren und Lichtverteilungsfolien; mal prangend rot (die Wunde), mal in hellem Grau (die Heilung), halb entstofflicht, fast schon transzendent... Ihre Werkreihe Verbunden – im wahrsten Sinn des Wortes – wirft die Frage auf nach dem kulturellen Einfluss und unserer vorgegebenen Prägung auf die Rezeption der Gegenwartskunst. Mit ihrem künstlerischen Konzept macht Margaret Marquardt den Versuch, unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit auf den Prüfstand zu stellen.


Helena Vayhinger / Galerie Vayhinger – November 2021

GEDANKEN DER MALERIN MARGARET MARQUARDT ZU IHRER SERIE

QUICK RESPONSE CODE

 

Seit geraumer Zeit bereits beschäftigt und beunruhigt mich die weltweit um sich greifende Digitalisierung unseres Alltags. Vor einigen Jahren nun taucht plötzlich dieser quadratische, aus schwarzen und weissen Mustern gestaltete Code auf. Schnell wird mir klar, dass hinter diesen wirren Mustern irgendwie, irgendwelche Zusatzinformationen verschlüsselt sein müssen. Ich war verblüfft. Sieht cool aus, dachte ich. Doch, wozu dient dieser Code? Ein Klick auf Google und die schnelle Antwort ist da! Auf der Seite von Wikipedia lese ich: „Der QR-Code ist eine Methode, Informationen so aufzuschreiben, dass diese besonders schnell maschinell gefunden und eingelesen werden können.“


Hinter diesen optisch witzig daherkommenden Quadraten, die wir tagtäglich auf irgendwelchen Konsumgütern sehen, steckt also ganz viel hochintelligente Technik. Faszinierend, wie schnell und einfach man zu Informationen gelangt.
Beim genaueren Hinsehen jedoch, das heisst, wenn man dieses Phänomen hinterfragt, wird einem denkenden Menschen schnell klar: Diese High-Tech Methode kann auch missbraucht werden und sich als Gefahr und Bedrohung entpuppen.


Ohne Hilfsmittel, das heisst, ohne Scanner, welcher den Code entschlüsselt, ist der Code für den Betrachter unlesbar. Der Nutzer weiss also bis zum Aufruf der Information nicht, welche Information der Code beinhaltet und ob dieser zudem unerwünschte Informationen oder einen Schadcode enthält. Für Cyber-Kriminelle ist es zum Beispiel einfach, einen QR-Code auf einem Plakat mit einem eigenen Code zu überkleben und damit beliebiges Unwesen (Klickbetrug, Viren) zu treiben.


Die aufgemalten QR-Codes auf meinen Bildern sind rein erfunden und meiner Fantasie entsprungen. Sie geben keinerlei Information ab und haben ausschliesslich symbolischen Charakter. Meine Absicht ist es, die Betrachter meiner Quick Response Bilder anzuregen, die Technologie der Digitalisierung zu hinterfragen, und dies, auch wenn sie so locker und cool daherkommt!
Die auf das Bild applizierte Gazebinde, soll symbolisch auf die hinter der Digitalisierung verborgenen möglichen Gefahren hinweisen.


Die Vorstellung, dass wir vielleicht eines Tages alle einen niedlichen QR-Code unter der Haut tragen, der sämtliche Informationen über unsere Person preisgibt, lässt einem die Haare zu Berge stehen. Dann würde sich bewahrheiten, was bereits in George Orwells berühmtem Roman 1984 zu lesen ist: „Big Brother is watching you“.


Ich kann übrigens allen empfehlen, diesen Roman zu lesen oder nochmals zu lesen! Ich tat dies vor einigen Monaten und es lief mir kalt den Rücken hinab. George Orwell schildert in seinem dystopischen Roman 1984 einen totalitären Überwachungsstaat. Reine Utopie? Nein. Auch in unserer Gesellschaft sind gerade im Laufe der zunehmenden Digitalisierung Tendenzen wahrzunehmen, welche den Schilderungen Orwells ähneln:


BIG BROTHER IS WATCHING YOU!


Kolloquium Prof. Uwe Gerber (Verein für ethische Urteilsbildung) im Zwingli Haus Basel, am 1. Oktober 2021

Margaret Marquardt, Malerei u. Collage, Lichtinstallationen